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Hobbys für Kinder - Fördern statt überfordern

von: MutterKutter MutterKutter

Wieviel Freizeitaktivität ist für unsere Kinder eigentlich genug? Was setzt uns genau unter Druck? Und was passiert, wenn wir nachmittags Langeweile-Tage einbauen? Unsere beiden Autorinnen Kerstin Lüking und Dorothee Dahinden, mit ehrlichen Antworten aus ihrem Elternleben mit insgesamt neun Kindern.

Zwischen Freizeitspass und Freizeitstress: darum lohnt sich die Hobby-Bremse „Doro, unsere Kinder müssen sich auch mal langweilen! Laaaaaaaaaangweilen! Wir müssen nicht IMMER was vorhaben!“ – ein Satz, den mein Mann mir eine Zeit lang mantramässig mit auf den Weg gegeben hat. Warum? Ganz einfach: Langeweile aushalten, einfach mal nichts machen – das konnte ich eine Zeit lang gar nicht. Genauso wenig wie meine Kinder. Ehrlich, ich war gerade die ersten Jahre in unserer Freizeit ständig unterwegs. Playdate samt Kaffeetrinken mit anderen Eltern hier, Spielplatz da. Ab zu den Grosseltern, an den Strand, zum Kinderturnen oder zum Schwimmkurs. Immer auf Achse – wenig Pause. Nachmittage zu Hause einfach mal vergammeln? Das gab es bei mir nicht.

Doro & Kerstin

Doro und Kerstin, unsere Expertinnen von MutterKutter (© Anne Seliger)


Erst Langeweile, dann glückliche Gesichter


Heute weiss ich: Wir hatten Freizeitstress. Ergebnis: meinen Kindern war super schnell langweilig. „Einfach mal nichts tun“ - das kam ihnen so richtig komisch vor. Klar, denn unser Alltag war bis dahin wie eine lustige Freizeit-Achterbahn. Immer Spass, immer Geschwindigkeit – viel Wind, dafür kaum echte Stille. Nach einiger Zeit habe ich mich selbst gefühlt, wie eine Animateurin im Kinderspielbereich, die nach einem Sommer nur noch eins braucht: RUHE. Ich habe dann entschleunigt, Pausentage eingelegt und gelernt, dass dieses einfach mal „nichts“ machen für uns alle gut ist. Für mich als Mutter und Doro, um mal durchzuatmen. Und für meine Kinder, weil aus Langeweile bei uns immer etwas Neues entsteht. Ich bin bei „Mama, mir ist langweilig“ nicht gleich aufgesprungen und habe bespasst, sondern auch mal die Situation ausgehalten. Ich habe die Langeweile hereingelassen und sie herzlich begrüsst. Was dann passiert ist? Die Langeweile wurde zum Motor für neue Rollenspiele – ich habe gelernt, wie gut sie sich gemeinsam oder eben auch alleine beschäftigen können und habe somit in glückliche Gesichter geschaut. Seitdem konnte ich „erleben“, wie wichtig es ist, dass das Kindergehirn mal nicht „ON FIRE“ ist und dieses nachmittägliche “OM!” Zufriedenheit mit sich bringt. Unser Nachmittags-Mantra als Eltern: ein regelmässiges “NIX”. Das heisst, dass wir zwischen den Tagen, an denen wir Termine haben, bewusst „nichts machen“ oder die Kinder verabreden. Das hat uns Luft verschafft.

Hobbystress: Noch Kind oder schon TOP MANAGER?


Das hier soll übrigens kein mahnender Zeigefinger sein, ehrlich: Ich verstehe, wenn Sie super gerne mit Ihren Kindern unterwegs sind und ihnen viel bieten wollen. Aber dennoch bin ich heute davon überzeugt: Wir sollten uns und unsere Kräfte dabei immer im Blick behalten und auch schauen, dass unsere Kids keinen Freizeit-Overkill haben. Neulich erst hat mir Kerstin wieder erzählt, wie voll die Termin- & Schülerkalender vieler Mitschüler*innen ihrer Kinder sind: Tennis, Turnen, Handball, Klavier, Schwimmen – nicht zu vergessen die Schul-AG Chor. Ich habe zu Kerstin gesagt, dass die Freizeitpläne vieler Kids so ausgebucht wirken, wie die einer Top Managerin (wie gesagt, das kenne ich in Ansätzen ja auch). Und da kann ich im Rückblick nur sagen: die Bremse kann echt gut tun! Genauso finde ich aber auch den Anspruch, dass unsere Kinder schon sämtliche Fremdsprachen in der Kita erlernen „müssen“, befremdlich. Wenn es Spass macht – Okay! Super! Aber sobald Druck da ist, dafür andere Dinge nicht laufen oder Kinder Ansprüchen von Eltern genügen „müssen“, denke ich: schwierig!


Mädchen in der Sandgrube

Unsere siebenfache Mutter Kerstin sagt: „Ich handhabe das ganz individuell bei unseren Kindern.“


Aber: Wie viel Freizeitaktivität ist überhaupt genug? Natürlich ist das individuell und die Messlatte bei jeder Familie anders. Ich kenne Familien, bei denen die Kinder bewusst kein Hobby hatten, bis sie in die Schule gingen. Und gerade bei Schulbeginn ist oft weniger mehr – aber auch hier gilt: jedes Kind ist anders. Und jedes Elternteil auch. Die Hobbys sind für meine Kinder eben auch wichtig, weil sie sich auspowern oder spannende neue Dinge erlernen.

Also, liebe Kerstin – du als siebenfache Mutter. Wie siehst du das? Wieviel Freizeit ist genug?

Liebe Doro, ich handhabe das ganz individuell bei unseren Kindern. Einige brauchen mehr Programm, andere weniger. Grundsätzlich bin ich immer sehr dafür, dass der Schwerpunkt auf sportlichen oder musikalischen Aktivitäten liegt. Durch das lange Stillsitzen in der Schule, bei den Hausaufgaben und natürlich beim “Zocken“, wird der natürliche Bewegungsdrang gebremst. Es ist heute sehr auffällig, wie wenig Körpergefühl und Konzentrationsschwierigkeiten Kinder haben. Balancieren, Hüpfen auf einem Bein, Vorwärtsrolle… wir könnten hier die Liste unendlich lang weiterführen und natürlich das Problem der Übergewichtigkeit sind heute von grosser Bedeutung. Kinder sollten, meiner Meinung nach, erst einige Freizeitaktivitäten ausprobieren dürfen, bevor sie sich für ein Hobby entscheiden. Denn ohne Spass und Freude wird das alles nicht von langer Dauer sein. Es bringt nichts, wenn wir unsere Töchter zum Ballett zwingen, weil wir selbst vielleicht gerne früher im Tutu an der Stange gestanden und uns schon auf einer grossen Bühne tanzen gesehen haben. Und nur weil der beste Freund von unserem Sohn zum grössten Fussball-Verein der Stadt zum Training geht, muss das für unseren Filius noch lange nicht richtig sein.


Kerstin MutterKutter

Kerstin Lüking, Hebamme und Expertin von MutterKutter (© Anne Seliger)


„Wichtig ist, dass sich das Kind nicht überfordert, aber auch nicht unterfordert fühlt.“


Natürlich macht alles noch mehr Freude, wenn noch ein guter Freund bzw. Freundin dabei ist, aber es ist auch immer eine Chance, in einen ganz anderen Freundeskreis einzutauchen, der mal nichts mit der Schule zu tun hat und zunächst fremd ist. Kinder üben sich daran und werden mutiger, andere Kinder anzusprechen und mit ihnen eine Gemeinschaft zu gründen. Und was Musikinstrumente anbelangt, kann es einfach sein, dass das Streichinstrument zu schwierig ist und besser durch ein Tasteninstrument ersetzt werden sollte, weil dieses eher harmonische Klänge entlockt werden und somit zu einem schnellen Erfolgserlebnis führen. Sind die Weichen gestellt, Erfahrungen gesammelt und eine Entscheidung getroffen, finde ich zwei Nachmittage in der Woche, die man mit Hobbys befüllt, absolut vertretbar. Wichtig ist, dass sich das Kind nicht überfordert, aber auch nicht unterfordert fühlt. Das muss einfach individuell entschieden werden.

Ich kann nicht permanent das Mama-Taxi spielen.


Die Frage nach dem “Wieviel“ stellt sich aber nicht nur bei den Kindern, sondern auch bei uns Eltern. Ich muss dabei auch an mich denken und kann nicht permanent das Mama-Taxi spielen. Für mich war und ist es immer wichtig zu überlegen, ob es eine andere Mutter oder einen Vater gibt, mit denen ich mich mit den Bring- und Abholdiensten auch abwechseln kann? Gibt es Sportvereine in unserer Nähe, die auch zu Fuss oder mit dem Fahrrad erreicht werden können oder sogar auch, ob die Klavierlehrerin auch zu uns nach Hause kommen kann? Denn der schönste Freizeitspass für unsere Kinder bringt uns nichts, wenn uns als Eltern schon vor lauter Stress und Hektik die Zunge aus dem Hals hängt. Ein weiterer, und ein im Moment leider für viele Familien sehr gravierender Punkt ist, die Bezahlbarkeit der Hobbys unserer Brut. Denn auch das kann ein unglaublich grosser Druck sein, den wir uns als Eltern aufbürden. Wenn der Vereinsbeitrag nämlich so hoch ist, dass er ein ganzes Monatsgehalt auffrisst, müssen bzw. dürfen wir uns die Frage stellen, ob es uns das Wert ist und können grosszügig über eine Kündigung nachdenken oder uns informieren, ob es vielleicht doch einen finanziellen Support für finanziell schwächer gestellte Familien gibt. Informationen dazu gibt es meiner Erfahrung nach z.B. hier in Berlin auch beim Bezirks- oder Jugendamt.
Dorothee

Dorothee Dahinden, Mutter und Expertin von MutterKutter (© Anne Seliger)


„Das Streben nach Erfolg bei einer Freizeitaktivität finde ich persönlich manchmal übertrieben.“


Wie definierst du Freizeitaktivitäten für Kinder?

Freizeitaktivität ist für mich ein positiv belegter Begriff. In seiner freien Zeit macht ein Kind etwas, was ihm Spass macht und worauf er regelmässig Lust hat. Wenn sich das Kind häufig mit Bauchschmerzen vor dem Hobby “drückt“ und in Stress gerät, sollten wir uns als Eltern ernsthaft damit auseinandersetzen und nach einer Lösung suchen. Das Streben nach Erfolg bei einer Freizeitaktivität finde ich persönlich manchmal übertrieben. Ja, natürlich darf und soll man auch mal an einem Wettbewerb teilnehmen. Auf dem Siegertreppchen zu stehen spornt an und gibt Antrieb, aber das sollte alles in ausgewogenem Mass stattfinden, damit die Kinderseele nicht leidet oder der Körper Schaden davonträgt. Ich kenne leider sehr viele Kinder, die in der Hockey-Hochburg Berlin auf Leistung getrimmt werden und mit 15 Jahren schon körperliche Wracks sind und eine erstaunlich hohe Anzahl von Verletzungen aufweisen. In dem Fall hält sich mein Verständnis leider in Grenzen, dass hier nicht schon früher auf das Kind geachtet und ein Gang zurückgeschaltet wurde.

„Unseren Kindern wird nicht wirklich viel zugemutet.“


Du bist ja selbst Typ „bitte keine Langeweile“ – hast du es denn geschafft, das nicht auf deine Kinder zu übertragen und hast die „Langeweile als Nachmittagsprogramm“ eingeführt?

Um ehrlich zu sein, scheint es heute ein ausgeprägtes Phänomen zu sein, dass Kinder sich ständig langweilen und uns Eltern um Tipps bitten, wie diesem Zustand ein Ende bereitet werden kann. Wenn ich rückblickend auf meine Kindheit schaue, muss ich leider feststellen: Es gab keine Langeweile, bzw. hat sich aus einer Langeweile immer etwas Kreatives ergeben. Ich habe mir etwas gesucht, womit ich mir die Zeit vertrieben habe. Malen, Geschichten schreiben, Höhlen bauen…. Das ist etwas, was leider heute fehlt: Kreativität! Unseren Kindern wird nicht wirklich viel zugemutet. Es werden ihnen viele Dinge abgenommen und sie sitzen eine grosse Zeit des Tages vor dem Bildschirm. Wie soll man da erfinderisch werden? Vielleicht sollten wir uns mal wieder mehr mit unserer Rolle als Vorbilder für unsere Kinder beschäftigen, denn Kinder sind oft unsere Spiegelbilder. Sitze ich nur noch vor dem Handy und bin körperlich und geistig träge, wird mein Kind dies leider auch irgendwann sein.

Was ist, wenn mein Kind aber noch mehr machen möchte, obwohl es schon zwei Hobbies hat?

Wenn es in das Budget der Familie und in den Stundenplan des Kindes passt, warum nicht. Oftmals bieten ja auch Schulen noch ganz tolle Arbeitsgemeinschaften als Angebot am Nachmittag an, auch das würde ich in Erwägung ziehen, denn es belastet nicht den Geldbeutel der Eltern. Und vielleicht können manche Eltern ja auch die Grosseltern davon überzeugen, dass sie die Patenschaft für ein Hobby übernehmen, was sowohl die Finanzierung, als auch Bring-und Abholdienste beinhaltet.

Apropos Freizeitaktivitäten: Was macht Spass mit Kindern im Herbst und Winter? Auch an regnerischen Tagen? Was sind deine top Tipps (mit und ohne Geld ausgeben)?

Ich habe als Kind Theaterstücke und Hörspiele geschrieben, die ich dann vorgeführt oder auf dem Kassettenrekorder aufgenommen habe. Das habe ich mit meinen Kindern auch gemacht, die das übrigens total super fanden. Und natürlich im Winter: Zelten im Wohnzimmer! Im Zelt haben wir Lichterketten aufgehängt, alles mit Kissen und Decken ausstaffiert, Kakao getrunken und Hörspiele gehört. Im Schlafanzug natürlich – ist ja wohl klar!

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