Selbstbewusstsein & Durchsetzungsvermögen

von: MutterKutter MutterKutter

Wie können wir unsere Kinder stärken? Was hilft ihnen, damit sie sich selbstbewusst in einem Alltag bewegen können, der nicht immer nett und kuschelig ist, sondern leider auch mal rau und fies sein kann? Stichwort: doofe Sprüche und Bewertungen! Antworten und Tipps erhalten Sie u.a. von zwei Psycholog*innen und unseren Expert*innen von MutterKutter.


Tschüss fiese Sprüche: So machen Sie ihr Kind stark!


„Doro – du bist 'zwei in eins'! HAHA!“ … und dann sagte einer der Jungs damals gröhlend: „Anna ist Rotznase und Kristina ist Flachmann!“ Das war in der 6. oder 7. Klasse. Die Jungs-Clique, die ich eigentlich zu meinen Freunden zählte, hatte sich Namen ausgedacht. Für jede einzelne von uns. Spitznamen, die absolut nicht nett waren. Die weh taten – und bei mir genau den wunden Punkt trafen. Und zwar das Gefühl, dass ich anders als „normale“ Mädchen bin. Ich war in der Vorpubertät. In der Findungsphase. Wusste, dass ich bald vom Mädchen zur „Frau“ werden würde, ob ich nun wollte oder nicht. Aber eigentlich wollte ich noch gar nicht. Denn ich hatte einfach Sorge vor den körperlichen Veränderungen.


Bewertungen unter Schüler*innen sind an der Tagesordnung!


Zwei in eins – das spielte darauf an, dass ich zwar dem Geschlecht nach ein Mädchen war, mich aber oft – um bei alt hergebrachten Rollenbildern zu bleiben – wie ein Junge verhielt. Kleider, lange Haare oder Schminke waren nicht mein Ding. Stattdessen spielte ich erst Fussball und kam dann auf den Streetball-Trip. Klamotten am besten Schwarz, weite Hose und hohe Sneaker. Das war in den 90ern offenbar ganz cool, aber auch seltsam für ein Mädchen. Also bekam ich den Spitznamen, angelehnt an die damalige SHAMTU-Werbung: two in one, ein Haarpflegemittel. Rotznase und Flachmann – genauso unlustig und fies. Das Gute war: Wir Mädels hatten ein starkes Band – und haben uns gegenseitig bestärkt. Wenn ich diese Kraft und auch das Selbstbewusstsein, das ich von zu Hause mitbekommen habe, damals nicht gehabt hätte…ich weiss nicht, wie ich solche „lustigen Spitznamen“ sonst aufgenommen hätte. Ich befürchte, dass mein Selbstwert sehr darunter gelitten hätte. Warum ich Ihnen das erzähle? Weil Bewertungen unter Schüler*innen immer noch an der Tagesordnung sind. Und weil wohl nur die wenigsten damit umgehen können, wenn sie auf einer Skala von 1-10 eine 1,2,3,4 oder auch 5 sind. Meine Kollegin Anne-Luise Kitzerow, genannt Alu, die gemeinsam mit ihrem Mann Konsti den Blog „Grosseköpfe“ herausgibt, hat neulich in einem Artikel davon erzählt, wie sie Zeugin eines Gesprächs zwischen Teenies wurde: Das eine Mädchen bekam von den Jungs wohl „nur“ eine Drei. Alu schreibt, Zitat: „Eine Drei eben. Naja. Katharina finden eben alle hübsch mit ihren langen blonden Haaren. Du kennst sie ja.“ Ihre Freundin nickt, als wäre das alles normal.

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Kerstin und Doro, unsere Expertinnen von MutterKutter (© Anne Seliger)


Wie können wir unsere Kinder stark machen? Antworten von den Psycholog*innen Stefanie Rietzler und Fabian Grolimund!


Kerstin und ich, Doro, haben uns gefragt: Wie können wir unsere Kinder stark machen? Wie können sie sich vielleicht sogar gegen Notensysteme wehren? Wie werden Kinder selbstbewusst und wie erkennen wir überhaupt, ob sie sich durchsetzen können? Eingeladen haben wir für dieses Interview die Psycholog*innen Stefanie Rietzler und Fabian Grolimund. Sie leiten die Akadademie für Lerncoaching in Zürich und stehen hinter der bekannten Website „mit Kindern lernen“. Sie geben irre viele tolle Impulse rund um das grosse Gebiet „Lernen“, aber eben auch – weil das ja zusammenhängt – zur kindlichen Psyche. Ihre Tipps sind einfach Gold wert. Passend zum Thema haben die beiden auch das Buch „Geborgen, mutig, frei“ geschrieben.

Stefanie Rietzler und Fabian Grolimund von „mit Kindern lernen“.

Liebe Steffi, lieber Fabian: Wie definiert ihr Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen bei Kindern? Oder andersherum: Wie erkennen wir, ob unser Kind bzw. unsere Kinder selbstbewusst sind und sich durchsetzen können?

Viele Begriffe rund um die innere Stärke von Kindern werden im Alltag synonym verwendet. In der Psychologie unterscheidet man aber zwischen Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl und Selbstsicherheit.

Kinder mit einem hohen Selbstvertrauen glauben an die eigenen Fähigkeiten. Sie trauen sich auch schwierige Aufgaben zu und wissen, dass sie sich in bestimmten Bereichen – im Sport, bei einem Musikinstrument oder in einem Schulfach – verbessern können, wenn sie sich Mühe geben und genug trainieren.

Ein gesundes Selbstwertgefühl erkennt man daran, dass ein Kind sich selbst mit seinen Stärken und Schwächen annehmen kann und sich als liebenswert empfindet. Solche Kinder sind zwar auch traurig, enttäuscht oder wütend, wenn sie einen Misserfolg erleben oder von anderen zurückgewiesen werden. Sie meinen deswegen aber nicht gleich, dass sie ein Versager sind und niemand sie mag.

Selbstsichere Kinder können für sich selbst und ihre Anliegen eintreten. Sie wissen, was sie wollen und sind auch bereit, ihre Grenzen zu verteidigen. Es gelingt ihnen, andere von ihren Ideen zu überzeugen, für ihre Meinungen einzustehen und nein zu sagen.

Wie können wir unseren Kindern beibringen, für sich und ihre Meinung einzustehen? Wie sieht da für uns die Aufgabe als Eltern aus? Was brauchen sie? Und: Wie sehr müssen wir am Ball bleiben?

Es ist sinnvoll, sich Gedanken zu machen, was man den Kindern wirklich mitgeben will. Durchsetzungsfähigkeit kann nämlich auch in einer ungesunden Ellenbogenmentalität und Egoismus enden. Wichtig finden wir, dass Kinder für sich einstehen können, ohne andere zu dominieren oder deren Bedürfnisse zu verletzen.


„Viele Erwachsene, die kaum für sich einstehen können, haben keinen Zugang zu dem, was ihnen guttut, was sie brauchen und wollen.“


Viele Erwachsene, die kaum für sich einstehen können, haben keinen Zugang zu dem, was ihnen guttut, was sie brauchen und wollen. Sie hatten in ihrer Kindheit kaum die Gelegenheit, ihre Bedürfnisse, Wünsche und Meinungen zu entdecken und auszudrücken. Stattdessen wurde einfach erwartet, dass sie brav das tun, was ihre Eltern und Lehrkräfte für richtig halten.


„Wenn wir wollen, dass unsere Kinder „Nein“ sagen können, müssen wir ihr „Nein“ aushalten können und uns nicht ständig darüber hinwegsetzen.“


Wenn wir möchten, dass unsere Kinder für sich eintreten können, müssen wir ihnen genau das ermöglichen: Dass wir Eltern zuhören, wenn sie von sich erzählen; dass wir auch mal nachgeben oder zumindest einen Kompromiss suchen, wenn die Kinder gute Argumente liefern und sie nicht mit Einwänden wie „es geht ums Prinzip“, „Regel ist Regel“ oder „weil wir das sagen – Punkt“ abcanceln. Je nachdem, wie wir dort vorgehen, verdeutlichen wir, dass alle Bedürfnisse und Meinungen in der Familie ernstgenommen werden oder dass der/die Stärkere automatisch Recht hat.

Wenn wir wollen, dass unsere Kinder „nein“ sagen können, müssen wir ihr „Nein“ aushalten können und uns nicht ständig darüber hinwegsetzen. Oft verlangen wir als Eltern, dass sich unsere Kinder innerhalb der Familie einfügen und kooperieren, sich in der Aussenwelt aber selbstbewusst abgrenzen. Da soll beispielsweise der 14-Jährige der Familie zuliebe auf die verhasste Sonntagswanderung mitkommen, sich von seinen Kumpels aber ja nicht zu irgendwelchen Aktivitäten mitreissen lassen! Da soll er sich dann klar positionieren und nicht dem Gruppendruck fügen, auch wenn es ihm mindestens genauso wichtig ist, dazuzugehören.

Ganz problematisch ist es, wenn Kinder für das, was sie brauchen, beschämt werden. Wenn sie uns bei der Fahrradtour sagen, dass sie müde sind und nicht mehr weiterwollen oder sie Angst vor dem Hund der Nachbarn haben und die Eltern mit Sätzen kommen wie: „Jetzt sei doch nicht so egoistisch“, „Stell dich nicht so an.“, „Deine Schwester hat auch nicht so ein Theater gemacht!“ oder „Bist du noch ein Baby?“


„Zugewandte, aufmerksame Gespräche sind ein Schlüssel, um das Kind zu stärken.“


Wozu ratet ihr Eltern von schüchternen Kindern – wie könnte der Weg aussehen, ihr Kind „stark" zu machen?

Schüchternen Kinder fällt es oft schwer, ihre Meinung zu sagen und für sich einzustehen. Sie möchten im sozialen Bereich keine Fehler machen und es sich mit den anderen nicht verscherzen. Wenn wir als Eltern dann verlangen, dass sie „doch einfach mal den Mund aufmachen“, „sich auch mal durchsetzen müssen“ und „nicht darauf hören müssen, was andere von ihnen denken“, bauen wir zusätzlichen Druck auf. Das Kind fühlt sich unverstanden und allein. Stattdessen können wir uns in das Kind einfühlen und ihm zeigen: „Ich kann mir vorstellen, wie schwer dir das fällt.“ Zugewandte, aufmerksame Gespräche sind ein Schlüssel, um das Kind zu stärken: „Woran merkst du, dass es dir in der Gruppe nicht mehr wohl ist? In welchen Situationen würdest du in Zukunft gerne mehr für dich einstehen? Und wie machen das Freundinnen und Freunde von dir ganz konkret?“


Es hilft, wenn Sie die Sorgen und Ängste Ihres Kindes kennen.


Hilfreich ist es auch, wenn wir die Sorgen und Ängste des Kindes kennen: „Was könnte passieren, wenn du deiner Freundin deine Meinung sagst oder bei dieser Sache nicht mitmachen willst?“ Ein Beispiel: „Hm…du hast eigentlich keine Lust zu Emmas Geburtstagsparty zu gehen, weil da so viele Kinder kommen und du nicht alle kennst? Aber du hast Angst, dass Emma dann total enttäuscht wäre?“ Von dort aus kann man gemeinsam eine Lösung überlegen, die sich für das Kind gut anfühlt. Vielleicht reicht es für Emmas Freundin, etwas früher zur Party zu kommen, wenn noch nicht alle Kinder da sind und sie sich in Ruhe einen Platz aussuchen kann? Vielleicht verschafft ihr das Wissen Sicherheit, dass sie früher gehen darf, wenn es ihr zu viel wird? Vielleicht will sie Emma aber auch vorschlagen, den Geburtstag bei einem Ausflug zu zweit nachzufeiern?

Alu von Grossekoepfe schildert in ihrem Artikel, wie sie Zeugin eines Gesprächs zwischen zwei Teenagerinnen wurde, die sich darüber unterhalten haben, dass in der Klasse eine Liste rumging, in der die Mitschülerinnen Noten von den Jungs bekommen haben. PUH! Wenn ich das lese, frage ich mich, wie es sein kann, dass sich in den letzten 30 Jahren offenbar in der Beziehung nichts verändert hat. Was ist euer Gedanke?

Wir haben den Eindruck, dass wir alle – Kinder, Jugendliche, Erwachsene – heute viel stärker mit unserem Aussehen und Status beschäftigt sind als frühere Generationen: Wie viele Follower hat man auf Instagram? Wie viele Likes bekommt das neue Selfie direkt vom Strand? Welcher Diät oder welchem neuesten Ernährungshype frönen die Eltern gerade? War man oft genug beim Fitness? Ist der Winterspeck schon wieder weg? Wie steht es um den After-Baby-Body? Tuts der alte Bikini noch oder muss man sich besser verschämt mit einem Handtuch bedecken, wenn man ins Freibad geht? Im Grunde spielen die Jungs in dieser Klasse auch nichts anderes nach als das, was wir beispielsweise bei „Germany’s next Topmodel“ sehen.


Spitznamen unter Jugendlichen – das können sie bewirken:


Ich, Doro, habe ja eingangs erzählt, dass ich heute noch genau weiss, dass meine Freundinnen „Rotznase" und „Flachmann" waren und ich „zwei in eins" genannt wurde – das hallt selbst heute noch nach. Aus psychologischer Sicht: Was „machen" diese Bewertungen mit unseren Kindern?

Manchmal sind Spitznamen einfach kleine Neckereien, Buchstabenspiele mit dem Namen, Anspielungen auf Spleens oder gemeinsame Erlebnisse – und durchaus liebevoll gemeint. Anders ist es mit Zuschreibungen oder abwertenden Spitznamen, die sich auf den Körper beziehen oder auf eine Besonderheit wie Stottern oder ungelenke Bewegungen. Solche Zuschreibungen treffen Jugendliche besonders stark. Denn sie sind in einer Phase, in der sie noch stark auf der Suche nach sich selbst sind und sich fragen, was sie auszeichnet. Wenn plötzlich die ganze Aufmerksamkeit auf einen vermeintlichen Makel gelenkt wird, fühlt man sich schnell darauf reduziert und beginnt, sich für sein Aussehen oder Auftreten zu schämen: Es sind scheinbar meine schiefen Zähne / die Hexennase / der zu flache Hintern / die zu grossen oder kleinen Brüste, die mich auszeichnen. Trifft der Spitzname eine innere Unsicherheit, halten diese Scham und Unzulänglichkeitsgefühle manchmal über Jahre an und werden Teil des Selbstbildes.


„Andere Kinder wirken sehr bestimmt und sicher, überspielen damit aber nur eine innere Unsicherheit.“



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Gibt es eigentlich auch Kinder, die zu selbstbewusst und durchsetzungsstark sind? Oder kann ein Kind nicht stark genug sein?

Es gibt durchaus ein übersteigertes Selbstbewusstsein: Erwachsene, aber auch Kinder und Jugendliche, die glauben, etwas ganz Besonderes oder anderen überlegen zu sein – und deshalb auf eine spezielle Behandlung Anspruch erheben. Eltern befeuern diese Tendenz manchmal, indem sie ihr Kind andauernd übermässig loben, ihm das Gefühl geben, aussergewöhnlich zu sein oder bei Trainer*innen und Lehrkräften eine bevorzugte Behandlung einfordern im Sinne von: „Für mein Kind ist nur das Beste gut genug.“ Typischerweise werten diese Eltern Menschen ausserhalb der Familie ab, belächeln sie für ihre „Durchschnittlichkeit“ oder gehen überheblich mit Personal im Dienstleistungssektor um. Die Kinder reagieren oft sehr stark auf Kritik, weil sie verinnerlicht haben: Ich bin nicht nur etwas Besonderes, sondern muss auch aussergewöhnlich sein, damit meine Eltern mich respektieren und annehmen können.

Andere Kinder wirken sehr bestimmt und sicher, überspielen damit aber nur eine innere Unsicherheit. Sie tun so, als würden Gemeinheiten an ihnen abprallen, geben sich dominant und erzählen so grosse Geschichten, dass man sie kaum glauben kann.

All diesen Kindern hilft es, wenn man ihnen signalisiert: Du bist willkommen. Wir nehmen dich so an wie du bist. Du musst uns nichts beweisen.

Welche Hilfe finden wir in euren Büchern?

Jeden Tag bieten sich unzählige Möglichkeiten, das Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen und die Resilienz von Kindern zu fördern. In unserem Buch „Geborgen, mutig, frei – wie Kinder zu innerer Stärke finden“ erfahren Eltern, wie sie ihr Kind in verschiedenen Alltagssituationen stärken können. Auch in schwierigen Momenten, bei schlechten Noten, Streit im Freundeskreis, Mobbing in der Klasse, Ängsten oder Gruppendruck.

In unserem neuen Buch „Jaron auf den Spuren des Glücks“ macht sich ein junger Fuchs auf eine Reise zu sich selbst: Wer bin ich und was brauche ich, damit es mir gut geht? Wie finde ich den Mut, zu mir selbst zu stehen und meinen eigenen Weg zu gehen? Und wie bleibe ich dabei in Verbindung mit anderen, die mir wichtig sind?

Leser*innen ab 8 Jahren erleben nicht nur ein mitreissendes Abenteuer, sondern entdecken nach und nach, was langfristig glücklich macht.


Mehr über Stefanie Rietzler und Fabian Grolimund


Mehr von und mit Stefanie Rietzler und Fabian Grolimund erfahren Sie bei Facebook oder Instagram. Vielen Eltern hat auch ihr Buch „Lotte, träumst du schon wieder?“ sehr geholfen. In dieser Geschichte behandeln sie das Thema „verträumte Kinder“ – zwei tolle Expert*innen, die Sie sich merken sollten!

Eine Frage brennt mir, Doro, nun noch unter den Nägeln. Und zwar an dich, liebe Kerstin: Du hast sieben ziemlich selbstbewusste Kinder – so habe ich sie zumindest erlebt. Was ist dein Schlüssel zur inneren Stärke? Wie hast du sie ihnen als Mutter mitgegeben?

Ich glaube, dass das Selbstbewusstsein meiner Kinder tatsächlich der Sache geschuldet ist, dass sie mit sechs Geschwistern auswachsen. Sie müssen sich in dieser grossen Gruppe behaupten und durchsetzen, damit sie gehört werden. Bei uns stehen Meinungsverschiedenheiten und Auseinandersetzungen an der Tagesordnung, es ist also bei uns die „Schule fürs Leben“ pur.

„Ich ermutige sie, Verantwortung zu übernehmen.“


Ein weiterer Punkt ist, dass wir unsere Kinder immer ermutigen, Dinge auszuprobieren. Sich einfach trauen und abwarten, was passiert. In den meisten Fällen läuft nämlich alles anders, als erwartet. Ein Beispiel ist das Klettern auf Bäume. Ich stehe unten und rufe: „Los trau dich, du kannst das!“ und nicht „Komm sofort da runter, du kannst dich verletzen!“ Ein anderes Beispiel ist die Sorge vor Klassenarbeiten und Prüfungen. Wir bestärken unsere Kinder, indem wir sagen: „Du hast viel gelernt, mehr ging nicht. Du hast dein Bestes gegeben und wenn die Note nicht nach deiner Vorstellung ausfällt, wird die Welt nicht untergehen.“ Ich ermutige sie, Verantwortung zu übernehmen. Das kann z.B. das Amt des Klassensprechers sein. Für andere einzustehen, deren Interessen zu vertreten, sich selbst auch zurücknehmen und gerecht urteilen zu können – alles Fähigkeiten, die sie schon im Kindesalter mitnehmen und verinnerlichen können.

Meine Kinder wissen, dass wir immer für sie da sind!


Unsere Kinder wissen, egal was passiert, wir sind immer für sie da, vor allem wenn es „brennt“. Sie können sich darauf verlassen und auf unsere Hilfe vertrauen. Das ist mir persönlich sehr wichtig, da wir als berufstätige Eltern auch viel eingespannt sind und mich manchmal ein schlechtes Gewissen plagt. Aber solange wirklich dieses „rote Band“ an Verbindung besteht und gehegt wird, kann eigentlich nichts schief gehen. Meine innere Stärke resultiert aus einem Schatz an Erfahrungen, den ich über viele Jahre hart erarbeitet habe. Ich habe einfach Vertrauen in bestimmte Dinge und ich vertraue auch meinen Kindern. Sie bekommen von uns eine „lange Leine“, dürfen viel ausprobieren und haben jeden Tag die Chance mutig zu sein und daran wachsen zu können. Wichtig ist uns nur, dass das in Absprache mit uns passiert. Dass wir wissen, wo sie sich aufhalten und auch erreichbar sind. Jesper Jul hat uns als Eltern dazu wertvolle Impulse gegeben, die wir bis heute so handhaben: Gebt den Kindern einen Rahmen, in dem sie sich aufhalten und ausprobieren dürfen. Kleine Kinder bekommen einen kleinen Rahmen und grosse Kinder einen grösseren. Das hat sich so bei uns eingeprägt und es funktioniert grossartig.